25 Jun 2021

Es begann mit einem „Halleluja“

Stephan Thelen from Generali Deutschland AG

Als ich vor fast 26 Jahren meine Bewerbung an die „Aachen und Münchener Versicherung AG“ auf die Reise schickte, ahnte ich noch nicht, auf welch lange Geschichte ich mich einließ. Ich war gerade unterwegs, als der Personaler bei uns zu Hause anrief. Meine Frau ging ans Telefon, konnte aber nur meine Abwesenheit vermelden. Natürlich bohrte sie solange nach, bis sie wusste, dass es um die Stellenzusage ging. Meiner Gattin entfuhr ein „Halleluja“, was die Nachfrage provozierte, ob er das als Zusage werten könne. Meine Frau bejahte. Schlussendlich wurde ich doch noch selbst gefragt.

In meinen ersten Berufsjahren gestaltete ich für den Vorstandsvorsitzenden das Handout für die Aufsichtsratssitzungen. Die damals nur rund 20 Seiten hat ein externer Copy-Shop vervielfältigt. Heute frage ich mich, was Datenschutz, Compliance und sonst wer alles dazu sagen würden .

Die Gespräche mit dem Vorstandsvorsitzenden blieben nicht immer unterbrechungsfrei. Einmal rief uns die Assistentin beide (!) heraus und lotste uns durch das halbe Haus, … um der Proklamation des Karnevalsprinzen beizuwohnen. So kam ich zu meinem ersten und bisher auch letzten Karnevalsorden.

In meiner wechselvollen Geschichte mit zwischenzeitlich zwölf Abteilungsleitern lernte ich so manchen „Typen“ kennen und schätzen. Anlässlich des Jubiläums eben einer unserer Führungskräfte drehten wir einen Film über seine liebevollen „Sonderlichkeiten“. Ganz ohne Smartphone kostete solch ein „Dreh“ damals ganz schön viel Zeit. Auch das wäre heute nicht mehr möglich.

Wir feierten unsere Erfolge damals ausgiebig und gemeinsam. Ein Abteilungsleiter verband seine eigene Zielerreichung mit einem Incentive an die Abteilung. Er lud für den Erfolgsfall alle rund 20 Kolleginnen und Kollegen auf eigene Kosten zu einem Wochenendtrip nach London, Amsterdam oder Paris ein. Ich hatte das unverschämte Glück, an meinen ersten Arbeitstag in der neuen Abteilung gleich mit Koffer antreten zu dürfen.

Wenn die Sonne tief steht, werfen Zwerge lange Schatten. Und die Sonne sank: Der eigene Vertrieb wurde in die DVAG integriert. Zugegebenermaßen habe ich diese Erfolgsgeschichte zu diesem Zeitpunkt nicht als solche wahrgenommen. Auch die Aufgabe der „eigenen“ Marke berührte uns.

Heute lernen wir standortübergreifend Englisch. Wir diskutierten in diesen Tagen, wie unsere unterschiedlichen individuellen, lokalen und Gesellschafts-Geschichten eine bis heute differenzierte Kultur prägen. Sie ist das Salz in der Suppe. – Dafür müssen wir bereit sein, uns in der gegenseitigen Unterschiedlichkeit zu akzeptieren und nicht die eigene Sicht zum Maßstab aller Dinge zu machen.

Menschen machen Geschichte. Der eigene Lebenslauf wird zu einem Teil der Generali-Geschichte – oder umgekehrt? Die zunehmende Digitalisierung bringt uns auch standortübergreifend näher zusammen. Ich selbst möchte darauf achten, den Menschen nicht zu verlieren. Kunden und Kollegen. „Typen“ und Langweiler. Menschen eben. Mehr als ein Faktor und mehr als nur ein „Bestandteil“ der Strategie.

Übrigens: Vor ein paar Wochen erklang ein zweites „Halleluja“. Meine Tochter erhielt ihren Generali-Anstellungsvertrag.